Wir machen Halt im wunderschönen Brixen, dem ehemaligen Bischofssitz und Herzen der Südtiroler Kultur, wo sich gotische Strenge, Harmonie der Renaissance und barocke Pracht zu einem einzigartigen Ganzen vereinen.
Der Kreuzgang des Brixner Doms, dessen heutige Gestalt auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, mit seinem quadratischen Arkadengang und seinen romanischen Formen, verkörpert die Essenz der Brixner Malerschule des Spätmittelalters. Die heute im Rahmen der Führung sichtbaren Fresken entstanden gegen Ende des 14. Jahrhunderts als Ersatz für die ursprünglichen Holzdecken und bilden ein Ensemble von außergewöhnlichem kunst- und kulturhistorischem Wert.
Die Malereien schmücken 15 der insgesamt 20 gotischen Gewölbejoche. Die nicht ausgemalten Joche galten als profaner Bereich, da dort einst wandernde Händler ihre Waren anboten. Über Jahrhunderte hinweg stellte der Kreuzgang eine reich bebilderte „Biblia pauperum“ dar, eine Bibel für Arme und Analphabeten, in der Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament einander gegenübergestellt werden.
Während der Führung erfahren die Besucher, dass die Ausführung der Fresken, die sich über mehr als ein Jahrhundert erstreckte, unter anderem von Johann von Bruneck (Gewölbe und Wand des 4. Jochs), Leonhard von Brixen (2., 14. und 15. Joch) sowie Ruprecht Pötsch (1. Joch) vorgenommen wurde. Vermutlich waren auch Christoph und Erasmus von Bruneck sowie Jakob von Seckau an den Arbeiten beteiligt.
